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Verdichtetes Bauen und ökologisches Wohnen in der Wohnbaugenossenschaft Allmendholz

Verdichtetes Bauen und ökologisches Wohnen in der Wohnbaugenossenschaft Allmendholz

Nachhaltiges, gemeinschaftliches Wohnen steht im Zentrum dieses Projekts. Das Vierfamilienhaus wurde als moderner Elementholzbau realisiert – nicht zuletzt deshalb, weil dadurch graue Energie auf ein Minimum beschränkt werden konnte. Der gemeinsam bewirtschaftete Garten und die offene Veranda fördern Begegnungen im Alltag.

   

Heizung und Warmwasseraufbereitung erfolgen durch eine BS2 Niederhubwärmepumpe. Die zwei Erdwärmesonden von 220 Meter Tiefe liefern so hohe Temperaturen, dass kein Frostschutzmittel (Glykol) verwendet werden muss.

Die Wohnbaugenossenschaft Allmendholz ist auch bezüglich Selbstversorgung durch die lokale Stromproduktion ein Vorzeigeprojekt. Die 13 kWp-Photovoltaikanlage auf dem Flachdach deckt nicht nur den Strombedarf des gesamten Hauses, sondern generiert sogar einen Überschuss von 3 bis 5 MWh in der Jahresbilanz. Dank Eigenverbrauchsgemeinschaft und Eigenverbrauchsoptimierung fallen lediglich minimale Betriebskosten an.

Es geht auch ohne Bodenheizung! Die Wärmeabgabe erfolgt in diesem Gebäude über eine Wandheizung, was tiefe Vorlauftemperaturen und viel Komfort ermöglicht.

  

»Die Jahresarbeitszahl (JAZ) der Heizung liegt mit 6.5 bereits hoch – ohne Eigenverbrauchsoptimierung wäre sie noch höher ausgefallen. Und manchmal lohnt es sich, bei der Auslegung die SIA-Normen zu unter- oder überschreiten. Insbesondere dann, wenn man das Nutzerverhalten kennt und die Verbrauchs- und Leistungswerte optimieren möchte.»

 

Christoph Meier, Bewohner und Mitglied der Wohnbaugenossenschaft Allmendholz

        

Umweltfreundlich und behaglich 

Die Eigentümer des Grundstücks, die hier über 30 Jahre in einem alten Einfamilienhaus wohnten, wollten sicherstellen, dass das Grundstück an attraktiver Lage mit Sicht auf den Zürichsee langfristig der Spekulation entzogen wird. Deshalb entschied sich das Paar für den Bau eines modernen Gebäudes, das ein Zuhause werden sollte für mehrere Familien, die sich alle zu einem autofreien, ökologischen Lebensstil bekennen und Interesse an einem regen Austausch untereinander haben.

Es wurde ein verdichteter Wohnraum geschaffen, der viel Platz für Begegnungen bietet – sei es auf der überdachten Veranda, im gemeinschaftlich genutzten Garten oder im gemeinsamen Hobbykeller. Alle Wohnungen verfügen über einen Schwedenofen, der nicht nur eine gemütliche Atmosphäre schafft. Diese CO2-neutrale Wärmequelle trägt natürlich auch zur Raumheizung bei.

Das Gebäude wurde in moderner Elementbauweise mit Holz, das vorwiegend aus der Schweiz stammt, auf einem Kellergeschoss aus Beton erstellt. Dadurch konnten bereits in der Bauphase Emissionen minimiert werden.

Auch bei einem Niedertemperatursystem, wie es in diesem Gebäude eingebaut ist, gilt: Es muss nicht immer eine Bodenheizung sein. Hier erfolgt die Wärmeabgabe über eine grossflächige Wandheizung.

 

Halb so viel Energie wie der Durchschnitt

Die Bewohnerinnen und Bewohner verbrauchen nur etwa halb so viel Energie – in diesem Fall in Form von Strom – wie ein durchschnittliches Schweizer Gebäude gleicher Grösse. Was jedoch nicht nur der Technik und der modernen Gebäudehülle zu verdanken ist, sondern auch dem umweltbewussten Lebensstil der Mitglieder der WBG Allmendholz. Planung ist das Eine. Für eine hohe Systemeffizienz ist jedoch eine laufende Betriebsoptimierung wichtig, die auch das Nutzerverhalten berücksichtigt.

Das Gebäude wird mit einer Erdwärmepumpenanlage (Niederhub) betrieben und verfügt über eine Photovoltaikanlage, welche in der Jahresbilanz nicht nur sämtlichen vom Gebäude benötigten Strom (Heizen, Warmwasser, Haushalt) produziert, sondern auch einen beträchtlichen Überschuss ins Netz einspeist. Der Pufferspeicher wäre technisch nicht zwingend nötig gewesen. Er ist jedoch für die von der WBG Allmendholz gewünschte Eigenverbrauchsoptimierung wichtig.

Die Wärmeproduktion liegt weit unter dem nach Norm ermittelten Wert, was auch am sparsamen Nutzerverhalten liegt. Der grosszügige Pufferspeicher vermindert den Taktbetrieb der Wärmepumpe, was deren Lebensdauer zugutekommt. Die Wärmeverteilung erfolgt über eine Wandheizung, in jeder Wohneinheit steht zudem ein Schwedenofen.

 

Hoher COP von 6.5

Das Zusammenspiel der hohen Quellentemperatur und der auf niedrigen Hub optimierten Wärmepumpe führt zu der sehr hohen Effizienz dieser Anlage. Die Erdwärmesonden wurden im Vergleich zu einer Auslegung nach SIA-Norm grosszügiger dimensioniert, was zu einer tiefen spezifischen Belastung und damit zu einer hohen Quellentemperatur führt. Die BS2 Niederhub-Wärmepumpe ist auf diese hohen Quellentemperaturen von 10 °C ausgelegt und weist damit einen hervorragenden COP von 6.5 auf (W10/W35). Zudem kann aufgrund der hohen Temperaturen von ganzjährig über 8 °C auf Glykol verzichtet werden, was nicht nur aus ökologischen Gründen vorteilhaft ist, sondern die Systemeffizienz nochmals steigert.

Die Jahresarbeitszahl könnte sogar noch höher sein. Sie wird jedoch durch die Eigenverbrauchsoptimierung leicht reduziert, denn insbesondere in den Monaten Februar bis April wird der Pufferspeicher tagsüber mit überschüssigem Solarstrom, der direkt vom Dach bezogen wird, auf bis zu 50 °C geladen. Aufgrund der steigenden Temperatur im Heizungsspeicher sinkt der COP. In der Nacht wird das Gebäude mit Wärme aus dem Speicher beheizt, wofür kein Netzstrom für die Erzeugung der Heizungswärme benötigt wird. Dies erklärt auch den in der Übergangszeit tieferen COP der Anlage. Damit auch das Warmwasser mit eigenem Solarstrom aufbereitet werden kann, erfolgt dies jeweils tagsüber.


22/04/2020