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BS2 Solardach: Kosten und architektonisches Erbe

BS2 Solardach: Kosten und architektonisches Erbe

Niklaus Haller, Solarpanels sieht man immer häufiger. Aus Sicht der lokalen Stromproduktion ist das bestimmt eine gute Entwicklung – aber wie gehen Sie mit dem architektonischen Erbe um?

 

Die Frage nach dem architektonischen Erbe ist sehr relevant.  Es geht um Baumaterial aber auch um die Erscheinung eines Gebäudes. Bei der Entwicklung des BS2 Solardachs haben wir neben den energetischen und ökonomischen Aspekten vor allem auf die architektonischen und konstruktiven Ansprüche wert gelegt. Die gesamte Konstruktion des BS2 Solardachs ist auf eine möglichst lange Lebensdauer hin konzipiert. Die Module sind nicht mit den darunter liegenden Schichten verklebt, sondern nur eingehängt und auch darunter ist alles geschraubt oder gesteckt. Dies erleichtert die regelmässige Revision und damit einen langfristig stabilen und effizienten Betrieb. Ein defektes Photovoltaikmodul kann auch in 50 Jahren noch problemlos ausgetauscht werden.

       

Was die Erscheinung oder Typologie angeht: Photovoltaikelemente haben eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich, getrieben durch die Steigerung der Effizienz und Senkung der Kosten. Lange Zeit geschah dies ausserhalb der Architektur. Heute können wir aus unzähligen Formen, Farben, Oberflächen auswählen. Aber ja, die Deckung mit PV erfolgt nach anderen Regeln als diejenige mit Stroh oder Ziegeln und so finde ich persönlich auch, dass die Dächer der Zukunft nicht gleich aussehen sollen. Irgendwo dazwischen finde ich am spannendsten.

       

Qualität ist gern mal teuer – muss man für ein BS2 Solardach tiefer in die Tasche greifen?

Nein. Die Kosten einer aufgesetzten Solaranlage müssen alleine über die gewonnene Energie amortisiert werden. Wenn die neuen Funktionen gleichzeitig auch zum Dach gehören, wie das beim BS2 Solardach und generell bei integrierten Anlagen der Fall ist, übernehmen sie auch die Schutzfunktion des Dachs. Damit fliesst ein Teil der Kosten für das Dach in die Kosten der Gebäudehülle.

   

Können Sie konkrete Zahlen nennen?

Ein hochwertiges Photovoltaikmodul kostet circa 260 Franken, dazu kommt noch einmal ungefähr der gleiche Betrag für die Planung und Installation. Wird es einfach aufs Dach gestellt, müssen diese Kosten mit dem Strom, den das Modul produziert, gegengerechnet werden.

Bei sogenannten «integrierten PV-Anlagen» wird das PV-Modul als «Dachziegel» eingesetzt. Es produziert genau gleich viel Strom und ersetzt eine konventionelle Dachdeckung, die rund 100 Franken kosten würde. Damit amortisiert sich die «Stromgewinnungsfunktion» der Dachdeckung viel schneller. Derart integrierte Anlagen sind aber vor allem viel schöner und geniessen deshalb auch eine grössere Akzeptanz.

  

Mit dem BS2 Solardach sind wir noch einen Schritt weitergegangen und haben neben der Strom- auch noch die Wärmegewinnung als Grundfunktion des Daches integriert. Jede Schicht hat somit mehrere Funktionen. Dadurch, und wegen der vollständigen Vorfabrikation und schnellen Montage wird die Energiegewinnung günstiger.

        

Der langen Rede kurzer Sinn: Das BS2 Solardach kombiniert die Schutzfunktionen eines Daches mit einer ästhetischen Strom- und Wärmeproduktion, und einer optimalen Ausnutzung von Dachflächen, kostet aber nicht mehr als ein konventionell gebautes Dach mit einer integrierten Solaranlage.

  

   

Dr. Niklaus Haller wurde von der BS2 Blog-Redaktion interviewt.

20.5.2020