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Was bringt mir eine Impulsberatung?

Was bringt mir eine Impulsberatung?

Ein Viertel aller Emissionen, die in der Schweiz anfallen, werden vom Gebäudepark ausgestossen. Die Politik will das ändern und bietet finanzielle Unterstützung für Immobilienbesitzerinnen und Bauherren an, wenn deren Vorhaben den Klimazielen entgegenkommen. Staatliche Subventionierungen betreffen aber nicht nur jene, die ihr Gebäude energiefreundlich bauen oder sanieren wollen, sondern auch die involvierten Firmen und Institutionen.

Patrick Brunner ist als Projektleiter für die BS2 AG tätig und hat ein Mandat bei «Erneuerbar Heizen»,  einem Programm von Energie Schweiz. Diese wiederum wird vom Bundesamt für Energie, den Kantonen und diversen Branchenverbänden getragen. Im nachfolgenden Interview erklärt Patrick Brunner, wann sich eine Impulsberatung lohnt – und in welchen Fällen eine ausführliche Machbarkeitsanalyse doch die bessere Option ist.

 

Herr Brunner, was beinhaltet eine Impulsberatung?

Ich schaue mir zuerst das alte Heizungssystem an, insbesondere interessiert mich die Wärmeverteilung im Haus und die Energiebezugsfläche des Gebäudes. So kann ich ausrechnen, welche Leistung die neue Heizung bringen muss.

«Erneuerbar Heizen» stellt einen Kalkulator zur Verfügung, der am Schluss drei Frankenbeträge ausspuckt: Investitionskosten, Betriebskosten und Jahreskosten.

Mit diesen Daten kann der Hausbesitzer auf seine Installateurin zugehen, um mit ihm konkrete Sanierungspläne auszuarbeiten und umzusetzen.

 

Eine Impulsberatung liefert mir als Bauherrin also in kurzer Zeit eine günstige Entscheidungsgrundlage. Warum greifen immer noch so viele Bauherrschaften auf Machbarkeitsanalysen zurück?

Die Impulsberatung geht, wie der Begriff «Impuls» impliziert, nicht sehr in die Tiefe. Für eine genauere Einschätzung macht eine Machbarkeitsanalyse Sinn. Aber wenn die Bauherrschaft beispielsweise darüber nachdenkt, eine Gasheizung nochmals zehn Jahre zu behalten und eine Fachmeinung dazu hören möchte, macht eine Impulsberatung absolut Sinn.

 

Die Impulsberatung zielt also nicht zwingend auf eine Sanierung zum emissionsfreien Betrieb ab?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Genau darum ist eine Beratung zentral. Sowohl die Probleme als auch die Lösungen, die in Frage kommen, variieren von Immobilie zu Immobilie. Bei alten Häusern wird teilweise über Jahrzehnte nichts gemacht – und dann geht mitten im Winter die Heizung kaputt, worauf die Hausbesitzer so rasch wie möglich eine Lösung für dieses Problem brauchen. Als Ergebnis wird in solchen Fällen leider oft die alte, defekte Ölheizung durch eine neue, weiterhin ineffiziente und schmutzige Ölheizung ersetzt. Eine Erdwärmesonde, die emissionsfreie Energie liefert, kann nicht auf die Schnelle verlegt werden, darum macht es Sinn, sich frühzeitig beraten zu lassen. So hat die Bauherrschaft Zeit, die optimale Lösung für ihre Liegenschaft umzusetzen.

 

Herr Brunner, laufe ich nicht Gefahr, dass Sie mir eine überteuerte und unnötige Sanierung andrehen, wenn Sie für eine Impulsberatung zu mir nach Hause kommen? Immerhin könnten Sie unter dem Deckmantel von «Erneuerbar Heizen» Werbung für BS2 machen.

90% aller Berater machen das für Akquise. Eine neutrale Beratung gibt’s von dem her nicht. Aber «Erneuerbar Heizen» ist transparent.

Eine Impulsberatung läuft zudem nicht automatisch auf einen Auftrag hinaus – und selbst wenn, nicht zwingend an einen Auftrag an die BS2 AG.

Wenn die Hausbesitzerin nur einen Heizungsersatz für ein Einfamilienhaus will, kommt eher der lokale Installateur zum Einsatz. Eine Machbarkeitsstudie können wir in jedem Fall erstellen, unabhängig davon, ob es nun auf eine mögliche Photovoltaikanlage oder auf einen Variantenvergleich innerhalb der Heizungssysteme hinausläuft.

 

Was ist der Unterschied zwischen einer Impulsberatung und einer Machbarkeitsanalyse?

Die Machbarkeitsanalyse ist genauer, sie geht mit einem grösseren Aufwand einher und ist nicht subventioniert. Das schlägt sich natürlich auf den Preis nieder. Eine Machbarkeitsanalyse wägt auch verschiedene Systeme gegeneinander ab, vergleicht beispielsweise Photovoltaik mit einer thermischen Solaranlage. Damit ermöglicht sie fundiertere Entscheidungen. Die Impulsberatung dagegen ist deutlich günstiger, weil sie subventioniert wird. Der Kanton kommt mit 300 Franken Subventionen für die Impulsberatung auf – die Bauherrschaft hat also nur einen Aufwand von fünfzig Franken, den sie selber begleichen muss.

 

Impulsberatungen von «Erneuerbar Heizen» werden subventioniert. Glauben Sie, dass über diese Beratungen der CO2-Ausstoss des Schweizer Gebäudeparks merklich gesenkt werden kann?

Ja, denn schon kleinere Massnahmen können einen beachtlichen Einfluss entfalten. Wenn man die Radiatoren oder die Fenster ersetzt, die Decke dämmt, die Leitungen isoliert oder die Heizkurve einstellt, kann man den Ölverbrauch merklich senken. Aber natürlich erreicht man mehr, wenn man von Öl oder Gas auf einen emissionsfreien Energieträger wechselt.

Darum ist es sinnvoll, Beratungen zu subventionieren. Viele Hausbesitzer sind schlecht informiert, wenn es darum geht, wie man Liegenschaften umweltfreundlicher betreiben kann. Mit subventionierten Beratungen kann man den Leuten für wenig Geld zeigen, dass schon kurzfristige und kleinere Massnahmen viel bewirken.

   

 

 

  

Patrick Brunner wurde von der BS2 Blog-Redaktion interviewt

08/09/2020