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Erdwärme: Alte Technik, neue Gefahren?

Erdwärme: Alte Technik, neue Gefahren?

Geothermie wird seit der Antike genutzt. Schon die Römer heizten mit Erdwärme. Technologien bringen aber immer Herausforderungen, und tiefe Bohrungen stellen ganz neue Ansprüche an die Bauwirtschaft. Trotzdem ist es problemlos möglich, mit Erdwärme zu heizen – ganz ohne Erdbeben und Nachbarschaftsstreitigkeiten.

Dieses Bauprojekt machte Schlagzeilen: Im Dezember 2006 lösten Bohrungen im Raum Basel mehrere Erdbeben aus. Schnell waren die Schuldigen gefunden. Die Geopower Basel AG und die Geothermal Explorers Ltd. hatten ein Gemeinschaftsprojekt namens Deep Heat Mining Basel lanciert. Erste Probebohrungen im Jahr 2005 gingen 2700 m tief und verliefen vielversprechend, sodass die Verantwortlichen im Winter 2006 beschlossen, 5 km tief zu bohren – das Ergebnis war (wortwörtlich) erschütternd. Zwar wurde niemand verletzt und der verantwortliche Geologe vor Gericht freigesprochen, aber der Sachschaden belief sich auf mehrere Millionen Franken und der gute Ruf der Geothermie bekam einige Kratzer.

Aber nicht jede Sonde muss so tief in die Erde vorstossen. Um ein Einfamilienhaus mit Wärme und Strom zu versorgen, reicht ein Bohrloch von bis zu 350 m. Dr. Philippe Goffin, der bei der BS2 AG für Wärme zuständig ist, führt diesbezüglich aus:

«In einer Tiefe von 100 m herrschen ungefähr 10 °C.  Die Temperatur nimmt zu, je tiefer man bohrt – im Schnitt steigt sie alle 100 m um 3 °C. In einer Tiefe von 400 m ist es also ungefähr 19 °C warm; allerdings ist die Temperatur auch von den geologischen Eigenheiten abhängig.

Ebenso spielt die Art der Liegenschaft eine Rolle. Um grössere Überbauungen mit genügend Wärme versorgen zu können, werden Sondenfelder gebaut, wo sich eine Erdwärmesonde an die nächste reiht.»

In dicht besiedelten Gebieten gibt es zudem Konfliktpotenzial. Eine Sonde zieht Wärme aus den Erdschichten, durch die sie verläuft. Wenn Ihre Sonde nahe an derjenigen des Nachbarn liegt, besteht die Gefahr, dass sich die beiden Sonden gegenseitig Wärme entziehen. In diesem Fall müssen beide Wärmepumpen mit zusätzlicher Energie versorgt werden, um die jeweiligen Häuser zu heizen – das schlägt nicht nur auf die CO2-Bilanz, sondern auch auf die Stromrechnung.

Dies kann im schlimmsten Fall in veritablen Nachbarschaftsstreitigkeiten münden. Um solche Probleme zu vermeiden, müssen all diese Einflussfaktoren bei der Dimensionierung des Energiesystems berücksichtig werden. Die wirtschaftlichste Lösung aber steckt wortwörtlich im Boden: Wenn das Erdreich nicht nur als Wärmequelle, sondern auch als Wärmespeicher genutzt wird, ist sichergestellt, dass es längerfristig nicht auskühlt - man spricht in diesem Zusammenhang auch von Saisonaler Regeneration.

Emissionsfreie Energieversorgung ist zukunftsfähig

Trotz einiger Negativschlagzeilen steht der Nutzen von Erdwärme ausser Frage. Der Bedarf an CO2-freier Energieversorgung nimmt seit Jahren zu – und damit auch Beispiele für Gebäude, die ihre Energieversorgung aus CO2-freien Quellen beziehen.

Auch die BS2 AG ist schon mehrere Jahre im Bereich komplexer Gebäudeenergiesysteme tätig, beispielsweise bei der «Rossweid», einer Überbauung in Gockhausen, wo 10 Sonden von einer Tiefe von 400 m einen Wärmebedarf von 506 MWh pro Jahr decken werden. In diesem Projekt, geplant von PZM, hat die BS2 AG 8 Wärmepumpen ausgeliefert und in Betrieb genommen. Die Bohrungen für die Erdwärmesonden wurden durch die Gallati AG vorgenommen. Dank gut aufeinander abgestimmter Planung, Ausführung und Komponenten sowie der Saisonalen Regeneration des Erdspeichers kann die Siedlung über viele Jahrzehnte hinweg wirtschaftlich mit erneuerbaren Energien betrieben werden. 

Bild: Die Überbauung «Rossweid», zur Verfügung gestellt von Dachtler Partner Architekten

 
 

19.3.2020